Sattelarten
Vielseitigkeitssattel: Ein Sattel für Dressur, Sprung und Gelände
Der VS-Sattel ist der meistverkaufte Sattel in Deutschland. Was er kann, wo seine Grenzen liegen und für wen er die richtige Wahl ist.

Der Vielseitigkeitssattel – kurz VS-Sattel – ist in Deutschland der meistverkaufte Sattel überhaupt. Das liegt nicht daran, dass er alles am besten könnte, sondern daran, dass er zum Alltag der meisten Reiter passt: ein bisschen Dressur, ab und zu ein Sprung, regelmäßig ins Gelände.
Was ihn ausmacht
Der VS-Sattel liegt zwischen Dressur- und Springsattel:
- Das Blatt ist leicht vorgezogen – weit genug für den leichten Sitz, gerade genug für lange Beinlage.
- Der Sitz ist mitteltief: Du findest Halt, ohne festgesetzt zu werden.
- Die Pauschen sind moderat, oft versetzbar.
- Gegurtet wird meist kurz, manche Modelle bieten lange Strupfen als Option.
Für wen er die richtige Wahl ist
Ein VS-Sattel lohnt sich, wenn du ehrlich beantwortest: Überwiegt eine Disziplin deutlich? Lautet die Antwort Nein, ist der VS-Sattel die wirtschaftlichere und praktischere Lösung als zwei Spezialsättel, die beide nur halb genutzt werden.
Er ist außerdem die übliche Empfehlung für den ersten eigenen Sattel, weil er dir alle Wege offen lässt, solange du deine Richtung noch suchst. Mehr dazu in Der erste eigene Sattel.
Wo seine Grenzen liegen
Ein Kompromiss bleibt ein Kompromiss:
- In der Dressur ab Klasse L fehlt die lange, gerade Beinlage für wirklich feine Hilfen.
- Beim Springen über 1,10 m mit kurzem Bügel reicht die Knieauflage oft nicht mehr.
- Auf mehrstündigen Ritten ist die Auflagefläche kleiner als bei einem Wanderreitsattel – dem Pferderücken macht das bei langen Touren zu schaffen.
Worauf du beim Kauf achtest
Weil der VS-Sattel so viel abdecken soll, lohnt ein genauer Blick auf zwei Punkte.
Erstens die Blattlage im Verhältnis zu deiner üblichen Bügellänge. Reitest du meistens Dressur mit langem Bügel, wähle ein Modell mit eher geradem Schnitt. Springst du häufiger, darf das Blatt weiter vorn liegen.
Zweitens die Auflagefläche. Achte auf lange, gleichmäßige Kissen. Ein VS-Sattel wird oft lange am Stück geritten – da zahlt sich Fläche aus. Wie das Gewicht überhaupt verteilt wird, erklärt Sattelkissen: Wolle, Latex oder Luft.
Gurtung: kurz, lang oder beides
Die meisten VS-Sättel werden kurz gegurtet – das Schnallenpaket liegt unter dem Sattelblatt. Bei Pferden mit weit vorn liegender Gurtlage kann das dazu führen, dass der Sattel nach vorn gezogen wird. Manche Modelle bieten deshalb einen V-Strupfen oder eine dritte Strupfe weiter hinten, mit der sich der Zugwinkel korrigieren lässt. Frag beim Kauf, welche Strupfenanordnung verbaut ist – sie lässt sich später nur mit Aufwand ändern.
Was ein VS-Sattel kosten sollte
Brauchbare Einsteigermodelle aus Synthetik beginnen im mittleren dreistelligen Bereich, solide Ledersättel im niedrigen vierstelligen. Weil der VS-Sattel meist täglich genutzt wird, lohnt hier besonders, auf Nachpolsterbarkeit und verstellbares Kopfeisen zu achten. Beides entscheidet darüber, ob der Sattel drei Jahre oder fünfzehn Jahre hält.
Gebraucht kaufen lohnt sich hier besonders
Weil so viele VS-Sättel verkauft werden, ist der Gebrauchtmarkt groß und die Preise sind fair. Ein gebrauchter Markensattel mit neuer Polsterung ist oft die bessere Wahl als ein neuer No-Name-Sattel zum gleichen Preis. Worauf du beim Gebrauchtkauf achten musst, steht in Gebrauchtsattel kaufen.
Die typische Fehlentscheidung
Viele kaufen einen VS-Sattel, weil er günstiger ist als zwei Sättel – und stellen nach einem Jahr fest, dass sie doch fast nur Dressur reiten. Kaufe nach dem, was du tatsächlich trainierst, nicht nach dem, was du dir vornimmst. Die Entscheidungshilfen stehen in Dressursattel oder Vielseitigkeitssattel und Springsattel oder Vielseitigkeitssattel.
Alle lieferbaren Modelle findest du bei den Vielseitigkeitssätteln.
Häufige Fragen
Für wen lohnt sich ein Vielseitigkeitssattel?
Für alle, die keine Disziplin klar bevorzugen: Dressurstunde, gelegentliches Springen und Ausritte. Er deckt alles solide ab, ohne in einem Bereich zu glänzen.
Kann ich mit einem VS-Sattel auf Turnier starten?
In Dressurprüfungen bis zur Klasse A und in Springprüfungen ist er zulässig und üblich. Erst in höheren Dressurklassen wird ein echter Dressursattel zum Vorteil.
Was unterscheidet einen VS- von einem Springsattel?
Das Blatt ist weniger stark vorgestellt und der Sitz etwas tiefer. Dadurch sitzt man bequemer, hat aber im kurzen Bügel weniger Knieauflage.










