Passform Pferd

Kammerweite messen – so geht’s

Mit Biegelineal und Karton die Widerristform abnehmen, die richtige Kammerweite bestimmen und verstellbare Kopfeisen richtig nutzen.

Unterseite eines Ledersattels mit Kissen und freiem Wirbelkanal
Kopfeisen, Kissen und Kanalbreite entscheiden, wie der Sattel auf der Schulter liegt.

Widerristform in 15 Minuten abnehmen

  1. Pferd richtig hinstellenStelle das Pferd auf ebenen, festen Boden, alle vier Beine gleichmäßig belastet, Kopf in natürlicher Haltung.
  2. Messpunkt findenErtaste die hintere Kante des Schulterblatts und gehe etwa zwei Finger breit (ca. 5 cm) dahinter – dort liegt später das Kopfeisen.
  3. Biegelineal anlegenLege ein biegsames Lineal (Flexikurve) über den Widerrist und drücke es auf beiden Seiten etwa 15 cm nach unten an den Körper an.
  4. Form übertragenNimm das Lineal vorsichtig ab, ohne die Form zu verändern, und zeichne die Innenkante auf einen Karton. Beschrifte links und rechts.
  5. Wiederholen und vergleichenMiss zweimal im Abstand von einigen Minuten und zusätzlich 10 cm weiter hinten. Die Schablonen zeigen, ob der Rücken nach hinten breiter wird.

Die Kammerweite beschreibt, wie weit der vordere Sattelbaum (das Kopfeisen) den Widerrist umschließt. Ist sie zu eng, klemmt der Sattel die Schulter ein und kippt nach hinten. Ist sie zu weit, sinkt er vorn ab, drückt auf den Widerrist und rutscht nach vorn.

Was du brauchst

  • Biegelineal (Flexikurve, ca. 60 cm) aus dem Bastel- oder Bürobedarf
  • Festen Karton und Stift
  • Eine zweite Person, die das Pferd hält

So erkennst du die passende Weite am aufgelegten Sattel

Prüfung Passt Zu eng Zu weit
Widerristfreiheit (Reiter im Sattel) 2–3 Finger mehr als 4 Finger weniger als 2 Finger
Schwerpunkt des Sattels tiefster Punkt in der Mitte nach hinten verlagert nach vorn verlagert
Kopfeisenspitzen parallel zur Schulter stehen unten ab drücken oben

Häufige Fehler beim Messen

  • Pferd steht schief: Schon ein entlastetes Hinterbein verändert die Rückenlinie. Alle vier Beine müssen gleichmäßig belastet sein.
  • Zu weit vorn gemessen: Direkt auf dem Schulterblatt fällt die Schablone zu breit aus – zwei Finger dahinter ist der richtige Punkt.
  • Nur einmal gemessen: Nimm die Form zweimal ab. Weichen die Schablonen ab, war das Lineal verrutscht.
  • Nach dem Reiten gemessen: Der Rücken ist dann aufgewärmt und breiter. Miss im Ruhezustand.

Verstellbare Systeme

Wechselkopfeisen lassen sich in wenigen Minuten tauschen und sind ideal für Pferde im Aufbau – Sättel mit diesem System findest du zum Beispiel unter den Dressursätteln. Bei Sätteln mit Holzbaum passen unsere Sattler die Weite in der Werkstatt oder direkt am Stall an.

Wann ein Pad hilft – und wann nicht

Ein Korrekturpad gleicht kleine Asymmetrien und den Muskelaufbau nach einer Pause aus. Es ersetzt aber kein passendes Kopfeisen: Unter einem zu engen Sattel erhöht zusätzliche Polsterung den Druck sogar. Faustregel: Passt der Sattel nur mit Pad, passt er nicht.

Schick uns deine Schablone als Foto mit einem Lineal daneben – wir sagen dir, welche Modelle und Weiten infrage kommen.

Häufige Fragen

Was bedeuten schmal, mittel und weit?

Die Bezeichnungen sind nicht zwischen Herstellern genormt. Vergleiche deshalb immer die Schablone mit dem Kopfeisen des konkreten Modells oder lass uns die Schablone schicken.

Kann ich die Kammerweite selbst verstellen?

Bei Sätteln mit Wechselkopfeisen (zum Beispiel Wintec EASY-CHANGE) ja. Bei Holz- oder Federstahlbäumen verstellt der Sattler die Weite mit einer Presse.

Wann muss ich neu messen?

Nach Trainingspausen, Muskelaufbau, deutlicher Gewichtsänderung und bei jungen Pferden alle paar Monate.

Ist die Kammerweite dasselbe wie der Kopfeisenwinkel?

Nein. Die Weite beschreibt den Abstand der Kopfeisenspitzen, der Winkel ihre Neigung. Zwei Sättel mit gleicher Weite können unterschiedlich steil zulaufen – deshalb passt der eine und der andere klemmt.

Passende Dressursättel

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