Bauart
Reitpad und Bareback-Pad: Was sie können und was nicht
Reitpads sind leicht, günstig und bequem – aber kein Sattelersatz. Wofür sie taugen, wo die Grenzen liegen und worauf du bei Steigbügeln achten musst.

Reitpads, Bareback-Pads und Fellsättel sind beliebt: leicht, günstig, schnell aufgelegt und angenehm direkt. Sie lösen aber nicht dieselbe Aufgabe wie ein Sattel – und genau das wird oft verwechselt.
Was ein Pad ist
Ein Reitpad ist im Kern ein gepolstertes Kissen mit Gurt. Manche Modelle haben eine feste Einlage, viele nur Schaum oder Fell. Fellsättel sind eine Variante mit Lammfelloberfläche.
Was ihnen allen fehlt, ist der Sattelbaum – und damit die Brücke, die dein Gewicht von den Sitzbeinhöckern auf eine große Fläche verteilt.
Wofür ein Pad gut ist
- Kurze Ritte im Schritt, etwa zum Lockern nach der Arbeit.
- Sitzschulung. Ohne Sattel spürst du die Bewegung unmittelbar und lernst, dem Pferd zu folgen.
- Junge Pferde in der Gewöhnungsphase, bevor der erste Sattel kommt.
- Sehr leichte Reiter, bei denen die Druckbelastung ohnehin gering ist.
- Als Zwischenlösung, wenn der Sattel gerade in der Werkstatt ist.
Wo die Grenzen liegen
Die Druckverteilung. Für den Pferderücken zählt Druck, also Kraft pro Fläche. Ein Sattel verteilt dein Gewicht auf 800 bis 1.200 cm², ein Pad auf einen Bruchteil davon. Die Rechnung dahinter steht in Reitergewicht und Schwerpunkt.
Der Widerrist. Ohne Kopfeisen gibt es keine Konstruktion, die den Widerrist zuverlässig frei hält. Bei hohem Widerrist ist ein Pad deshalb ungeeignet.
Die Wirbelsäule. Viele einfache Pads haben keinen Wirbelkanal. Sie liegen direkt auf den Dornfortsätzen auf – ein Bereich, der keinen Druck verträgt, siehe Der Pferderücken: Anatomie.
Die Steigbügelfrage
Das ist der kritischste Punkt. Steigbügel an einem Pad ohne feste Konstruktion leiten dein Gewicht punktuell dort ein, wo die Aufhängung sitzt. Beim Aufsteigen und im leichten Sitz entstehen dabei erhebliche Spitzenbelastungen.
Wenn du mit Bügeln reiten willst, nimm ein Modell, das ausdrücklich dafür gebaut ist – mit druckverteilender Einlage und breiter Aufhängung. Und steig grundsätzlich von einer Aufstiegshilfe auf.
Pad, baumloser Sattel oder Sattel?
| Reitpad | Baumloser Sattel | Sattel mit Baum | |
|---|---|---|---|
| Druckverteilung | gering | mittel | hoch |
| Gewicht | sehr leicht | leicht | höher |
| Halt | wenig | mittel | hoch |
| Geeignete Dauer | bis ~30 Min. | bis ~1 Std. | mehrere Stunden |
Die mittlere Kategorie beschreibt Baumlose Sättel und Reitpads genauer.
Worauf du beim Kauf achtest
- Ein durchgehender Wirbelkanal oder zumindest eine Aussparung über der Wirbelsäule.
- Rutschfeste Unterseite, damit das Pad nicht wandert.
- Ein breiter Gurt, der nicht einschneidet.
- Bei Bügelmodellen: eine feste, druckverteilende Einlage.
Der richtige Gurt
Weil ein Pad keine feste Konstruktion hat, übernimmt der Gurt mehr Aufgaben als beim Sattel: Er hält das Pad nicht nur an Ort und Stelle, er bestimmt auch, wie stark es sich an den Rumpf anschmiegt. Ein zu schmaler Gurt schneidet ein, ein elastischer Gurt lässt das Pad wandern. Bewährt haben sich breite, anatomisch geformte Gurte mit begrenzter Dehnung.
Pflege und Haltbarkeit
Fell- und Textilpads nehmen Schweiß direkt auf und gehören regelmäßig gewaschen – bei Lammfell mit Spezialwaschmittel und ohne Weichspüler, damit die Fasern nicht verkleben. Ein verfilztes Fellpad verliert genau die Eigenschaft, für die es gekauft wurde: die Fähigkeit, Druck zu dämpfen und Feuchtigkeit abzuleiten.
Für Kinder und Ponys
Bei leichten Reitern relativiert sich das Druckargument deutlich, und das geringe Gewicht eines Pads ist ein echter Vorteil – ein Kind kann es allein auflegen. Achte trotzdem auf einen freien Wirbelkanal und auf eine Bügelkonstruktion, die für Bügel ausgelegt ist. Passende Alternativen mit Baum findest du bei den Pony- und Kindersätteln.
Die ehrliche Einordnung
Ein Reitpad ist ein gutes Werkzeug für kurze, ruhige Einheiten und für die Sitzschulung. Es ist kein Sattelersatz und keine Lösung für ein Passformproblem. Wenn dein Sattel nicht passt, ist die Antwort nicht das Pad, sondern die Anpassung – siehe Sattelanpassung.
Unsere Fellsättel und Reitkissen findest du bei den Fellsätteln und den Reitkissen & baumlosen Sätteln.
Häufige Fragen
Ist ein Reitpad schonender als ein Sattel?
Nein. Ein passender Sattel verteilt das Gewicht auf eine deutlich größere Fläche. Ein Pad fühlt sich weich an, konzentriert die Last aber auf die Sitzbeinhöcker.
Darf ich mit Steigbügeln am Pad reiten?
Nur mit Modellen, die dafür konstruiert sind. Bügel an einem einfachen Pad leiten das Gewicht punktuell ein und können Druckstellen verursachen.
Wie lange kann ich mit einem Pad reiten?
Für kurze Einheiten bis etwa 30 Minuten, überwiegend im Schritt. Für längere Ritte oder viel Trab und Galopp ist ein Sattel die bessere Wahl.







