Sattelarten

Sattel für Islandpferde und Gangpferde

Rückverlagerter Sitz, kurzer Baum, freie Schulter: Warum Gangpferde einen eigenen Sattel brauchen und worauf du beim Tölt achten musst.

Dunkles Islandpferd mit Reiterin im Tölt auf einem Reitplatz
Im Tölt braucht die Schulter Raum – ein zu weit vorn liegender Sattel blockiert ihn.

Islandpferde, Paso Finos, Aegidienberger und andere Gangpferde bewegen sich anders als Warmblüter – und sie sind anders gebaut. Ein Sattel, der für ein Reitpferd konstruiert wurde, funktioniert auf ihnen selten gut.

Der kurze Rücken

Islandpferde sind kompakt: kurzer Rücken, kräftige Schulter, oft ein deutlich ausgeprägter Widerrist. Die tragfähige Fläche zwischen Schulterblatt und letztem Rippenbogen ist entsprechend kurz. Ein Sattel mit langem Baum ragt darüber hinaus und drückt in die Nierenpartie – eine der häufigsten Ursachen für Taktfehler und Widersetzlichkeit.

Miss die tragfähige Länge, bevor du einen Sattel aussuchst: vom hinteren Rand des Schulterblatts bis zum letzten Rippenbogen. Bei vielen Islandpferden sind das nur 42 bis 48 Zentimeter.

Der rückverlagerte Sitz

Der auffälligste Unterschied zum Reitpferdesattel: Der tiefste Punkt liegt weiter hinten. Das ist kein Stilmittel, sondern Biomechanik. Im Tölt hebt das Pferd die Vorhand deutlich an; ein Reiter, der zu weit vorn sitzt, drückt genau dorthin, wo das Pferd Bewegungsfreiheit braucht.

Ein Gangpferdesattel setzt dich hinter diese Bewegung. Anfangs fühlt sich das ungewohnt an – nach wenigen Ritten merken die meisten Reiter, dass das Pferd freier läuft.

Die Schulter muss frei bleiben

Der Sattel gehört rund eine Handbreit hinter das Schulterblatt. Prüfe es konkret: Ein Helfer hebt das Vorderbein an und zieht es nach vorn. Das Schulterblatt muss ungehindert nach hinten gleiten können, ohne gegen das Kopfeisen zu stoßen.

Liegt der Sattel zu weit vorn, wandert er beim Reiten meist noch weiter nach vorn – ein Zeichen, dass die Kammer zusätzlich zu weit ist. Die Anzeichen dafür stehen in Kammerweite erkennen.

Kammerweite bei Islandpferden

Viele Islandpferde brauchen eine weitere Kammer, als ihre Größe vermuten lässt – sie sind kräftig bemuskelt und rundrippig. Gleichzeitig haben sie oft einen hohen Widerrist, der Freiheit braucht. Diese Kombination aus weiter Kammer und hoher Kopfeisenform ist der Grund, warum ein Standardsattel so selten passt.

Gurtlage und Rutschen

Durch den kurzen, runden Rumpf neigen Sättel auf Islandpferden zum Wandern. Statt fester zu gurten – was nur die Atmung einschränkt – helfen ein anatomisch geformter Gurt und eine an die Gurtlage angepasste Strupfenanordnung. Viele Gangpferdesättel bieten dafür mehrere Strupfenpositionen.

Bügellänge und Sitz im Tölt

Im Tölt sitzt du ruhig und aufrecht. Eine etwas kürzere Bügellänge als in der Dressur hilft, das Becken aufzurichten, ohne in den Stuhlsitz zu geraten. Achte darauf, dass der Sattel dich nicht nach vorn kippt: Das passiert, wenn die Kammer zu eng ist und der Sattel hinten absackt.

Die Sattelunterlage beim Gangpferd

Weil der Sattel weiter hinten liegt, passen viele Standardschabracken nicht: Sie sind vorn zu lang und werfen an der Schulter Falten. Für Gangpferde gibt es speziell geschnittene Unterlagen mit kürzerem Vorderteil. Achte darauf, dass die Unterlage im Wirbelkanal hochgezogen wird und nicht auf die Dornfortsätze drückt – gerade bei hohem Widerrist ein häufiges Problem.

Sitzgröße: lieber nicht zu groß

Weil der Baum kurz ist, verlockt es, die Sitzgröße großzügig zu wählen. Das geht selten gut: Eine größere Sitzfläche bedeutet bei Gangpferdesätteln meist auch einen längeren Baum – und der passt dann nicht mehr auf den kurzen Rücken. Im Zweifel entscheidet die Rückenlänge des Pferdes, nicht dein Sitzkomfort. Wie du deine Größe ermittelst, steht im Ratgeber Sitzgröße bestimmen.

Typische Fehler bei Islandpferden

Der häufigste Fehler ist ein zu weit vorn aufgelegter Sattel – oft aus Gewohnheit vom Warmblut. Der zweithäufigste ist ein zu langer Baum, weil das Modell optisch gefiel. Beides führt zu denselben Symptomen: Taktfehler im Tölt, Widersetzlichkeit beim Angurten und ein fester Rücken. Was dann am Rücken sichtbar wird, beschreibt Satteldruck erkennen.

Unsere Modelle

Passende Sättel mit kurzem Baum und rückverlagertem Sitz findest du bei den Islandpferde- und Gangpferdesätteln. Weil bei kurzen Rücken wenig Spielraum bleibt, lohnt sich hier eine Anprobe vor Ort besonders.

Häufige Fragen

Warum braucht ein Islandpferd einen speziellen Sattel?

Islandpferde haben einen kurzen Rücken und eine ausgeprägte Schulter. Ein normaler Sattel liegt zu weit vorn, blockiert die Schulterbewegung und stört den Tölt.

Wie weit hinten muss der Sattel liegen?

Etwa eine Handbreit hinter dem Schulterblatt – deutlich weiter hinten als bei einem Warmblut. Die Auflage muss trotzdem vor dem letzten Rippenbogen enden.

Kann ich einen normalen Freizeitsattel anpassen lassen?

Begrenzt. Die Kammerweite lässt sich ändern, die Baumlänge nicht. Bei kurzen Rücken ist ein Gangpferdesattel meist die bessere Lösung.

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Was Kundinnen und Kunden sagen

4,7von 5

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  • Der Sattler ist zu uns an den Stall gekommen und hat sich für die Anprobe zwei Stunden Zeit genommen. Drei Modelle probiert, eins hat gepasst. Mein Wallach läuft seitdem deutlich freier über den Rücken.
    Katrin M.Dressur · Landkreis Rosenheim · August 2026Dressursattel
  • Ich hatte die Blattlage online falsch eingeschätzt. Nach einem Telefonat wurde umgetauscht, ohne Diskussion. Das zweite Modell passt zu meiner Bügellänge und ich sitze endlich ruhig in der Landung.
    Jonas R.Springen · Münsterland · Juli 2026Springsattel
  • Meine Stute hatte über den Sommer kräftig Muskulatur aufgebaut, der Sattel kippte nach hinten. Statt mir einen neuen zu verkaufen, wurde nachgepolstert. Terminfindung hat etwas gedauert, das Ergebnis stimmt.
    Sabine W.Freizeit · Bodensee · Juli 2026Sattelservice – Nachpolstern